DBVBFC

Pascal Kleimeyer gründete ein BVB Fan-Club für gehörlose Menschen

Seit 27.11.2010 gibt der Deaf BVB Fanclub eine Antwort auf diese Frage. Das Wort „Deaf“ kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt gehörlos. Es ist der erste Gehörlosen Fanclub von BVB 09 e.V.. In Deutschland gibt noch verschiedenen Gehörlosen Fanclubs. Der Sitz ist im Gehörlosenzentrum Witten, wo der Fanclub ihr eigenes frisch saniertes Clubheim hat.

Pascal Kleimeyer und Jörg Büttgen sind gehörlos. Und sie sind eingefleischte BVB-Anhänger. Aufgrund ihrer Behinderung fiel es ihnen jedoch bislang schwer, ihre Begeisterung für die Schwarz-Gelben mit anderen Menschen zu teilen. Oft mussten sie den Weg ins Stadion alleine antreten. Das Gemeinschaftserlebnis fiel aus.

„Wir dachten, dass es bestimmt noch vielen Fans so geht, wie uns. Bei einem Heimspiel kam uns dann die Idee, einen Fan-Club für gehörlose Menschen zu gründen“, erzähle Kleimeyer.
Ein Volltreffer. Nur vier Monate nach der Gründung hat der Dortmunder Deaf BVB Fanclub bereit 47 Mitglieder. Tendenz steigend.

Denn Kleimeyer und seine Freunde hören zwar nicht, was im Stadion gesunden wird. Aber in ihrem Dasein als Fußballfan unterscheiden sie sich nicht von anderen Anhängern. „Ein Fan zeigt bedingungslose Treue, sonst ist er keiner. Er lacht, wenn die Mannschaft gewinnt, und schimpft und weint, wenn sie verliert. Er ist bei jedem Spiel dabei, egal ob zu Hause oder auswärts, egal ob im Stadion oder vor dem Fernseher“, lautet ihr Motto.

Und das setzen sie um. Neben dem möglichst häufigen Besuch der Südtribüne und der Auswärtsspiele in der Bundesliga war der Fanclub im Dezember auch bei der Partie des BVB in der Europa-League bei Paris St. Germain in der französischen Hauptstadt dabei.

„Im Stadion gibt es keine Behinderung. Da sind alle gleich und freuen sich wenn der BVB gewinnt. Aber das gesellschaftliche Leben ist für Gehörlose in der Gruppe einfacher. In den vergangenen Monaten konnten wir bereits viele Kontakte untereinander, aber auch zu hörenden Fans und Fanclub knüpfen“, sieht sich Kleimeyer bestätigt. Denn trotz moderner Kommunikationsmittel wie Internet und Handy bleibt eine Beeinträchtigung, die schnell zu sozialer Isolation führen kann.

Deshalb ist dem EX-Bonner (aktuell Essener), den alle nur „Passi“ nennen, dieser Austausch besonders wichtig. Auch, wenn das beileibe nicht immer ganz einfach ist. „Wenn wir von anderen Fans angesprochen werden, müssen wir natürlich zuerst immer erklären, dass wir nicht hören können. Da wir aber von den Lippen ablesen ist es für uns letztlich kein Problem, uns mit den andere Fans zu unterhalten“, lacht der 21-Jährige (Passi). Und fügt hinzu: „Berührungsängste haben wir jedenfalls keine.“

Woran kann man unseren Fanclub im Stadion sofort von anderen unterscheiden können?

Wir haben einen Doppelhalter & Fahnen wo ein Handzeichen abgebildet ist, dieses Handzeichen ist das Symbol für Gehörlose Weltweit. Es heißt ILY = I Love You, da es sich aus dem Fingeralphabet zusammensetzt. Bei jedem Auswärts und Heimspiel ist dieses Symbol immer zu sehen.

Hallenmaster 2011

Kleimeyer und sein Fanclub haben auch für das Dortmunder Hallenmasters der BVB Fanclub angemeldet. Und damit zunächst unfreiwillig für einige Verwirrung gesorgt. „Wir wussten gar nicht, dass wir einen Fanclub für gehörlose Menschen haben. Die Jungs hatten sich unter ihrem Namen angemeldet und erst einen Tag vor dem Turnier ist uns aufgefallen, das es sich um einen besonderen Fanclub handelt“, erinnert sich Rolf-Arnd Marewski von Dormtunder Fanprojekt. „Wir haben dann in den Spielen mit dem Deaf BVB Fanclub unsere Schiedsrichter mit Fahnen ausgestattet, um zusätzlich optische Signale zu setzen. Das hat super geklappt“, freute sich der Sozialarbeiter. So gut, dass der neu gegründete Fanclub bei der Fanmeisterschaft auf Anhieb den vierten Platz belegte. Der erste eigene Pokal bekommt deshalb einen Ehrenplatz im Vereinsheim im Gehörlosenzentrum Witten.

Sommerfest 2012

Schreiben wir den 07. Juli 2012. An die 200 Besucher kamen zu einem speziellen ersten BVB Sommerfest des Deaf-BVB-Fanclub. Ein herrliches Bilderbuchwetter an diesem Tag. An die 20 jungen Borussenfans engagierten sich für einen reibungslosen Ablauf. Die Vorbereitungen begannen schon Wochen vor dem eigentlichen Fest. „Die beiden jungen Borussen Vorsitzende Pascal Kleimeyer und Florian Hansing mit dem Besitzer Detlev Böhmer haben großartiges aus dem Hut gezaubert.“ sagte Dieter. Neben Tombola, Kickern, Torwandschießen, Würfelspiele gab es noch Kinderschminke und Emma zu Besuch. Auch der Behindertenbeauftragte Uwe Pleß kam mit seiner Frau vorbei. Für Groß und Klein, Essen und Trinken war reichlich gesorgt. Das Besondere an diesem Fest war, dass die Besucher aus ganz NRW, sogar teilweise aus Deutschland angereist kamen. Selbst die Fanfreundschaften „Terpentin Borussen“ und „BVB Fanclub Coesfeld“ waren zu besuch. Unsere enge Fankooperation mit der „Grafschaft Schwarz Gelb“ konnten leider nicht kommen. „Das Sommerfest hat alle unsere Erwartungen übertroffen, da wir mit nur ca. 100 Leuten gerechnet haben. Wir sind dann nochmal extra Getränke kaufen gefahren. “sagte der erste Vorsitzende und Gründer Pascal Kleimeyer. Das Interessante an diesem Fest war, dass die meisten „Taub“ waren und mit der Gebärdensprache kommuniziert haben. Eigentlich ein ganz normales BVB-Sommerfest, aber doch aufsehenerregend Spannend.

„Wembley (2013) wird einer der größten Momente in unseren Leben“ – Jürgen Klopp

Mit diesen Satz möchten wir die unbeschreiblichen letzten Jahren, Deutsche Meisterschaft im Jahr 2011, das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal 2012, und das unglaubliche deutsche
Champions League Finale 2013, von Borussia Dortmund mit dem Deaf BVB Fanclub „DBVBFC“, anfangen. Diese Eindrücke, die wir in den letzten Jahren sammeln konnten, sind unbezahlbar. Diese auf Schwarz und Weiß zu übermitteln ist fast nicht machbar. Lasst Euch aber von diesem Artikel inspirieren und ihr werdet merken, wieso unser DBVBFC so verrückt alle Spiele live verfolgt hat. Die neue Saison 2012/13 startete direkt mit einem Knall. Wir wurden bei der Champions League in einer „Meistergruppe“ zugelost und mussten uns messen mit Vereinen wie Real Madrid, Manchester City und den Ajax Amsterdam. Eine Gruppe, die fast jeder als zu groß, zu mächtig für den BVB angesehen hat, da alle National ebenfalls Meister geworden sind. Das hieß für unseren Fanclub, dass wir spannende Spiele und Reisen international erleben werden können und diese Erwartungen wurden allen gerecht.
Die Borussia verzauberte Europa, spielte sich in die Herzen der Fußballfans und erzielte Siege, die ihr keiner zugetraut hatte. Noch heute, und vermutlich für den Rest unseres Lebens, bekommen wir Gänsehaut, wenn man an die Spiele mit dem Willen, die Leidenschaft und den Kampf zurückdenkt. Insbesondere das Rückspiel gegen Malaga wird auf ewig unvergessen bleiben. Was war das nur für ein krasses Wechselbad der Gefühle innerhalb der letzten Spielminuten. Von großer Enttäuschung, über aufblühende Hoffnung, bis hin zur vollkommenen Explosion der Glücksgefühle. 69-Sekunden, die sich in jedes BVB-Herz eingebrannt haben. Wie bereits in den Spielen zuvor, konnte die Borussia einmal mehr zeigen, wie stark ihr Siegeswille ist! Aber nicht nur die Mannschaft hat eine überragende Saison gespielt, auch die Fans zeigten eine Weltklasse Leistung! Vor ihren lautstarken Gesängen, ihren beeindruckenden Choreos und allgemein dem einmaligen Support, verneigte sich ganz Europa und unser Deaf BVB Fanclub war überall dabei. Diese Fans berauschen und beflügeln jeden Spieler und peitschen ihn so zu Bestleistungen. Für diese Unterstützungen erhielten sie das zurück, was sie sich verdienten und am meisten erhofften – Emotionen und Erfolge, unbeschreibliche Erfolge! Wenn man in den letzten Wochen in die Augen von den BVB-Anhängern sah, konnte man darin sofort den Stolz und die Euphorie erkennen. In Gespräche und Diskussionen gingen derweil die Superlative aus, für die Leistung der Borussia war einfach kein Wort ausdrucksstark genug. Wir alle durften letztlich dem Finale entgegen fiebern.

Unser Fanclub hat 15 Karten für das Finale erhalten und 2 Mitglieder haben noch Karten gewonnen gehabt. Freudestränen stiegen uns in den Augen als wir von dem BVB die Karten erhalten haben. Es war unglaublich, als wir die ersten Mitglieder mitteilten, dass sie in Wembley dabei sein dürfen. Fast jeder hatte Tränen in den Augen, konnte es nicht fassen, wollten uns es nicht glauben und dachte es wäre nur ein April-Scherz. Noch nie war man so glücklich wie zuvor. Nun war nur noch die Frage gewesen, wie wir nach London kommen können. Das Interesse war hoch gewesen von unseren Mitgliedern, auch ohne Karte, mit in London dabei sein zu können. Der Traum lebte nun von einem eigenen großen Bus. Unser zweiter Vorsitzender, Florian Hansing, plante eine Woche durchgehend einen Bus und kämpfte wortwörtlich um einen Fährplätze. Aufgrund des deutschen Finales war es extrem schwierig noch einen Fährplatz zu bekommen. Dennoch schaffte er unerwartet und wie aus dem Nichts einen Fährplatz zu erhalten. Der Traum lebte und wir konnten Stolz einen 45-Personen Bus organisieren. Von diesen 45 Personen waren 30 Mitglieder von uns dabei. 18 davon mit Karten. Die anderen 14 Sitze wurden von unseren Fanfreundschaften Dom Borussen und den Supporters Lennetal gebucht. Die Reise ging am Freitag um 23 Uhr von Witten los. Vorher trafen wir uns alle in unserem Clubheim um einfach alles noch mal ein bisschen ausgiebig feiern zu können. Fast 60 Leute kamen zu unserem Clubheim damit sie unsere Abreise miterleben konnten. Und nun war es soweit, die Getränke, das Essen und alle Mitfahrer sind im Bus ein gestiegen. Etwas verspätet starteten wir um 23:15 in Witten. Die anderen winkten unseren Abschied zu und wir stimmten alle im Bus lautstark ein: „BORUSSIA DORTMUND, BVB, BVB 09“. Die Bus Tour nach Wembley war noch genug Zeit sodass der Weg erst mal in die Stadt führte. Man merkte sofort, dass es eine andere Kultur war und dass man in England angekommen ist. Das einzige, was in dem Bild nicht gepasst hat, waren die deutschen Menschen. Was in London geschah, können nur Bilder wiedergeben oder man muss dabei gewesen sein! Wir feierten mit den Engländern zusammen dieses tollte Ereignis. Nun hieß es aber, für diejenigen, die nicht im Stadion dabei sind, zurückzufahren. Was jetzt erzähl wird, lässt sich einfach nicht mehr beschreiben: Ja, wir waren tatsächlich dabei – unfassbar. Jedem von uns war bewusst, wie schwierig dieses Endspiel werden wird. Und dennoch steckte in uns allen diese Hoffnung, diese Hoffnung auf unser großes Fußballwunder. Das Wort „Wunder“ würde die Leistung der Mannschaft schmälern, da es keine göttliche Fügung ist, sondern einfach eine übermenschliche Leistung. Wenn man sich die letzten Jahre vor Augen führt, so traute man den Jungs einfach alles zu. London war wie schon gesagt bereits in schwarz-gelber Hand, Dortmund sowieso und auch in anderen Städten Deutschlands regierten überwiegend die Farben schwarz und gelb. Und das alles als „kleiner“ Außenseiter 😉 Unser Doppelhalter war im Stadion platziert. Unser Platz super und dann ging das Spiel, mit einer gigantischen Atmosphäre los. Es war ein großartiges Spiel. Ein Spiel, das einem solchen Finale durch und durch würdig war. Und dennoch hatte es am Ende nicht den erhofften Ausgang. Als ich die enttäuschten Gesichter unserer Jungs gesehen habe, schossen mir und vielen anderen auch direkt die Tränen in den Augen – sie hätten es sich so verdient! Wir alle hätten es so verdient gehabt. Wir, die Fans, der gesamte Verein. Natürlich tut solch eine Niederlage weh und natürlich dauert das auch einige Zeit, bis man das endgültig verarbeitet und akzeptiert hat. Aber nichtsdestotrotz überwiegt der Stolz, denn unser ganz persönliches Ereignis hatten wir so oder so! Aber wir hatten keinen Grund zur Trauer, keinen Grund zur Enttäuschung sondern waren nur noch Stolz. Das was wir bisher erlebt haben mit unseren Fanclub ist Geschichte. Dafür gibt es keine Superlative mehr, um das alles zu beschreiben. Vor einigen Jahren hätte keiner von uns an solch einen Erfolg zu denken gewagt und jetzt ist er da! Unseren Fanclub kennt jetzt mittlerweile auch jeder. Lasst die letzten Wochen noch einmal Revue passieren. Lasst euch nochmal sämtliche Augenblicke und Geschehnisse durch den Kopf gehen. Genießt dabei die Gänsehaut auf eurem Körper, die Tränen in euren Augen und die unermessliche Dankbarkeit in eurem Herzen! Wir sind stolz, glücklich und einfach nur froh, ein Fan von Borussia Dortmund zu sein und tolle 135 Mitglieder sowie unendlich viele Dortmund Freunde zu besitzen.

Erfolg

Seit dem der Fanclub gegründet worden ist, spielt Dortmund außergewöhnlich.
Die Statistik spricht dafür.

  • 2010/2011 Deutsche Meister
  • 2011/2012 Deutsche Meister & Pokalsieger
  • 2012/2013 Champions-League Finalist
  • 2016/2017 Pokalsieger

 

Geschrieben: Pascal Kleimeyer & Florian Hansing